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asianfilmweb • Filme • The Eel (JP 1997) • Unagi · Der Aal
FILMEJP • THE EEL
THE EEL

     aka UNAGI · DER AAL
     JAPAN 1997

CAST & CREW
REGIE Shohei Imamura
DARSTELLERKôji Yakusho, Misa Shimizu, Mitsuko Baisho, Akira Emoto, Fujio Tsuneta, Sho Aikawa, Ken Kobayashi, Etsuko Ichihara, Tomorowo Taguchi, Chiho Terada, Shinshô Nakamaru, Sei Hiraizumi, Seiji Kurasaki, Toshirô Ishido

DVD/BD/HD/OST VERÖFFENTLICHUNGEN VOM FILM
DVD Der Aal

DeutschlandAlamode Film
 1,66:1 · deutsch DD2.0, japanisch DD2.0 · deutsche...

WEITERE INFORMATIONEN
LAUFZEIT
117 Minuten

FILMINHALT
Der Büroangestellte Takuro Yamashita (Kôji Yakusho) lebt ein zurückgezogenes Leben auf der sicheren Seite. Er ist zuverlässig, höflich, ein Mann, nach dem man die Uhr stellen kann, seine (einzige) Leidenschaft ist das Angeln. Dann erhält er plötzlich mehrere anonyme Briefe, die ihn über die Seitensprünge seiner Frau informieren. Er ignoriert sie zunächst, doch seine Eifersucht und sein Misstrauen werden immer stärker. Schließlich überrascht er das Liebespaar inflagranti, tötet seine Frau mit mehreren Messerstichen und stellt sich der Polizei. Nach acht Jahren kommt er aus dem Gefängnis frei und wird in die Hände des Bewährungshelfers Jiro Nakajima (Fujio Tsuneta) übergeben, der es gut mit ihm meint und ihm einen heruntergekommenen Friseurladen in seiner Nachbarschaft vermittelt. Takuro macht etwas aus dem Laden, bleibt aber eigenbrötlerisch und spricht eigentlich fast ausschließlich mit einem Aal, der ihn schon durch seine Gefängniszeit hindurch begleitet hat. Sein Leben ändert sich als er die junge Keiko (Misa Shimizu) vor dem Selbstmord rettet. Sie erinnert ihn stark an seine ermordete Frau und als dann auch noch ein ehemaliger Mithäftling bei ihm auftaucht, bekommt sein Leben eine unfreiwillige Dynamik, der er sich nicht mehr entziehen kann.

FILMREZENSION VON MICHAEL FROST
Um es gleich vorwegzunehmen: "Der Aal" ist ein echtes kleines Meisterwerk eines großen Regisseurs. Shohei Imamura gewann mit diesem Film zum zweiten Mal nach 1983 die Goldene Palme in der Kategorie "Bester Film" bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes. Der 2006 verstorbene Imamura gilt als Mitbegründer der japanischen "Nouvelle Vague" (Nuberu Bagu) und seine Nähe zum französischen Kino der 50er Jahre ist auch bei diesem Film unübersehbar. Gerade bei den Kameraeinstellungen, den Farben und der Musik orientiert sich Imamura sehr an der goldenen Ära des europäischen Films. Als ein Beispiel erwähne ich die gesamte Szene des (doch sehr brutal gefilmten) Mordes an Takuros Frau und die Verwendung der roten Farbe darin. Kôji Yakusho spielt die Rolle des Takuro wirklich phänomenal. Man erlebt mit diesem Mann seine Isolation und will ihn und seine Wahnsinnstat verstehen.
Yakusho schafft die Balance, dass man sich einerseits zu Takuro hingezogen fühlt und er einen trotzdem nicht vergessen lässt, was er getan hat. Seine Beziehung zu und seine Identifikation mit dem Aal ist einer der Dreh- und Angelpunkte des Films. Auf die Frage, warum er sich einen Aal halte, antwortet Takuro einfach wie treffend: "Weil der Aal gut zu mir passt!" Auf jeden Fall stellt er keine Fragen, denn diesen versucht Takuro aus dem Weg zu gehen. Er funktioniert (wie er auch früher im Büro oder später im Gefängnis funktioniert hat), lässt dabei aber nichts an sich heran. Dies spürt sein Bewährungshelfer Jiro instinktiv und versucht ihm zu helfen. Es ist aber schließlich Keiko, die den Stein ins Rollen bringt, der Takuros "Inneres Gefängnis" ins Wanken bringt. Auf Jiros Betreiben hin hilft sie ihm im Laden, was ihm nicht passt, aber seiner Kundschaft dagegen sehr. Er wehrt sich mit Händen und Füßen gegen eine Beziehung zu Keiko, die aber nicht locker lässt und Takuros Kauzigkeiten und Zurückweisungen erträgt. Wer an dieser Stelle denkt, dass jetzt eine seichte, resozialisierende Liebesromanze ihren Lauf nimmt, irrt gewaltig und unterschätzt Shohei Imamura und Akira Yoshimura, auf dessen Roman das Drehbuch basiert. Keiko selbst hat mit vielen Problemen zu kämpfen, ihr ehemaliger Lebensgefährte ist ausschließlich hinter dem Geld ihrer geistig verwirrten Mutter her. Sie selbst ist von ihm schwanger und versucht nun nur noch die Ersparnisse ihrer Mutter vor ihm zu retten. Misa Shimizu gefällt mir gut in der Rolle der Keiko, die vielschichtiger ist, als man anfangs annimmt. Hält man sie zunächst nur für ein nettes Mädchen, eröffnen sich mit zunehmender Laufzeit ganz neue Dimensionen. Shimizu hält diesem Wachstum stand, was nicht gerade unerheblich für das Gelingen des gesamten Films ist. Daneben tauchen immer wieder (teilweise skurrile) Menschen auf, die Takuros Weg zurück ins Leben begleiten.
All diese Rollen sind wundervoll besetzt und in Szene gesetzt, ihre kleinen Geschichten führen nicht weg vom eigentlichen Inhalt des Films, sondern bilden einen Rahmen, der dem Film eine unglaubliche Wärme verleiht. Takuro selbst sieht schließlich in der Beziehung zu Keiko und der Annahme des Kindes seine Chance auf Wiedergutmachung und ein neues Leben. Hier wird sein Handeln dem Handeln seines Mithäftlings gegenübergestellt, der nur öffentlich aber nicht innerlich bereut (zugespitzt in der versuchten Vergewaltigung Keikos), gleichzeitig aber von Takuro mehr Reue fordert. Trotzdem, ohne ihn wäre Takuro vielleicht nie an den Punkt gekommen, seine Tat zu gestehen und eine Beziehung zu Keiko zuzulassen. Denn angelegt hatte er es ja eigentlich auf ein neues Leben ohne Verbindung zum ersten und zu Menschen an sich. Zum Schluss lässt Takuro den Aal frei, dessen Fortpflanzung- und Laichverhalten allerdings für ihn wieder zum Sinnbild seiner Beziehung zu Keiko und ihrem Kind werden. Wobei er sein Einverständnis zur gemeinsamen Zukunft etwas kryptisch formuliert: "Ich habe nur bestätigt, was von den anderen entschieden wurde." Das zaghafte Ende gibt jedenfalls Hoffnung für die beteiligten Menschen, hat aber natürlich nichts mit der kitschigen "Ende gut, alles gut"-Attitüde der Unterhaltungsindustrie zu schaffen. Dafür ist der Film viel zu schön, so schön, dass man ihn sofort noch einmal schauen möchte, und das passiert mir nicht oft!



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