| Einige der Vivamax-Produktionen haben generell schon einen düsteren Unterton und enden gerne mal mit einem blutigen Finale, doch so richtige Horror-Beiträge des philippinischen Streaming-Anbieters sind bisher rar gesät. Nach der Geistergeschichte "Haunting Albina" erscheint nun aber mit "Blasphemie - Im Rausch der Sünde"(OT "Kahalili") ein Werk, das sich wirklich sehen lassen kann und Horror-Freunden sicherlich Spass macht.
Denn der Film von Bobby Bonifacio Jr. ist ein echter Gruseltrip und vermischt Religion, Übernatürliches, Sex und Gewalt mit ziemlich verstörenden Bildern. Müsste man "Blasphemie - Im Rausch der Sünde" einem Horror-Genre zuordnen, kann man ihn wohl als klassischen Beitrag des Folk Horrors deklarieren.
Dabei spielt Bonifacio Jr. nicht nur optisch mit einigen netten Horror-Einlagen, auch musikalisch und akustisch weiss "Blasphemie" zu überzeugen. Gerade die Trip-haften Sequenzen in denen wirklich seltsame Sachen passieren, sind wirklich toll umgesetzt und erinnern in ihrer Abgefahrenheit an Ari Asters "Midsommar".
Dazu gibt es natürlich jede Menge an Sex - mal alleine, mal zu zweit, mal in Form einer wilden, unchristlichen Orgie. Das ist Vivamax-typisch gut gefilmt und wird teilweise auch wieder sehr explizit was zum Grundton des Films passt. Einige der Szenen hätte man sich ehrlicherweise aber auch sparen können.
Die Kombination aus den verschiedenen Erzähl- und Storyebenen gefiel mir ganz gut, jedoch gibt es auch ein bisschen Kritik. Zum einen hätte ich mir gewünscht, dass man den religiösen Fanatismus von Isabel noch etwas mehr ausgearbeitet hätte. Gerade im Hinblick auf die Eröffnungsszene mit dem Exorzismus habe ich mir persönlich etwas mehr in diese Richtung erwartet. Aber wie gesagt - das ist eine sehr persönliche Meinung.
Handwerklich muss ich etwas Kritik an der Hauptdarstellerin von Martha, Stephanie Raz, üben. Die wirkt in der Rolle als Dienstmädchen/ Leihmutter irgendwie leicht verloren, teilweise überfordert. Für die Nackedei-Szenen gibt sie optisch sicherlich einiges her, aber ihr Schauspiel dazwischen hat mich nicht so überzeugt. Anders sieht das bei Millen Gal aus, die sichtlich Freude an ihrer Rolle als Isabel hatte und in allen Szenen glänzt - sei es als tiefreligiöse, Grenzen überschreitende Vorgesetzte von Martha oder als verführerische Ehefrau.
Sex, Psychohorror, religiöser Fanatismus und dazu noch eine kleine Crime-Geschichte - "Blasphemie - Im Rausch der Sünde" bietet wirklich einige nette Elemente, die Bonifacio Jr. zu einem guten Gesamtwerk verbunden hat. Da gibt es keine unnötigen Nebengeschichten oder Charaktere, die keiner braucht. Es ist ein rundes Filmerlebnis wie man es - ehrlicherweise - von Vivamax nur selten bekommt. |