FILME •
JP • OUTRAGE | OUTRAGE •
JAPAN 2010 | |
CAST & CREW | REGIE |
Takeshi Kitano | DARSTELLER | Takeshi Kitano, Sôichirô Kitamura, Tomokazu Miura, Jun Kunimura, Tetta Sugimoto, Renji Ishibashi, Ryo Kase, Fumiyo Kohinata, Eihi Shiina, Kippei Shiina | PRODUZENT | Masayuki Mori, Takio Yoshida | SCRIPT/BUCH | Takeshi Kitano | MUSIK | Keiichi Suzuki | |
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WEITERE INFORMATIONEN | LAUFZEIT 109 Minuten | |
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FILMINHALT | Bei einem Geschäftsessen hochrangiger Yakuza droht Bandenchef Ikemoto (Jun Kunimura) beim obersten Boss Sekiuchi (Sôichirô Kitamura) in Ungnade zu fallen. Der Grund: Murase (Renji Ishibashi), mit dem Ikemoto durch einen Bruderschaftsschwur eng verbunden ist, macht Geschäfte, die dem obersten Boss nicht gefallen. Von Sekiuchis rechter Hand Kato (Tomakazu Miura) aufgefordert, etwas dagegen zu unternehmen, steckt er in einem Loyalitätskonflikt. Daher gibt er die Aufgabe, Murase etwas zu erschrecken und auf Linie zu trimmen, an Otomo (Takeshi Kitano) weiter, der ebenfalls Boss einer eigenen Bande ist. Als der anfängliche Versuch, Murase durch eine gezielte Provokation herauszufordern, schief geht, nimmt Otomo die Sache selbst in die Hände und fühlt Murase kräftig auf den Zahn, im wahrsten Sinn des Wortes. Von da an eskaliert die Spirale aus Provokationen, Gewalt und Gegengewalt aufs äußerste. Schon bald herrscht Krieg und der Zuschauer fragt sich zu Recht, ob es überhaupt einen Gewinner geben kann... | |
FILMREZENSION VON DANIEL FRICK | Kitano ist nach einer rund zehnjährigen Phase autobiografischer Reflektion zurück beim Yakuza-Film, der ihn überhaupt erst bekannt und erfolgreich machte (Boiling Point, Sonatine, Brother). Und obwohl die Handschrift des Meisters an vielen Stellen klar erkennbar ist, ist "Outrage" anders als seine bisherigen Yakuza-Filme. Kitano treibt den Nihilismus auf die Spitze, indem er die Gangster- bzw. Samuraiehre durch explizit dargestellte, aber in seinem Ziel völlig bedeutungslos bleibende Gewalteruptionen entlarvt. Er erreicht diese Wirkung, indem er Handlungen, Gegenreaktionen und Intrigen von austauschbarem Fußvolk, entmenschlichten Yakuza-Statisten ausführen lässt. Diese erzeugen durch gänzlich fehlendes Identifikationspotential und ihre Austauschbarkeit eine kaum dagewesene Beklemmung, die durch die kalte emotions- und sinnlose Aneinanderreihung von verbaler, psychischer und physischer Gewalt für den Zuschauer schier ins unerträgliche gesteigert wird. Niemand, nicht einmal Otomo selbst, der in stoischer Loyalität als der Mann fürs besonders Grobe dargestellt wird, kann dem bitterbösen und nichtigen Ende entrinnen. Die Darstellung der Machtverhältnisse und -kämpfe, der dazugehörigen Intrigen und die dahinterstehenden Persönlichkeiten erwecken fast den Anschein einer psychologischen Betrachtung, was durchaus seine Reize hat.
Zusätzliche Distanz für den Zuschauer schafft Kitano durch die de-facto Abwesenheit sowohl einer Handlung als auch einer klassischen Erzähl-Dramaturgie. Es gibt keine stylishen Shootout-Orgien, kein heroisches Blutvergießen, keine übergeordneten Werte, keine unterhaltsamen Dialoge. Geredet wird zwar für Kitano-Verhältnisse viel, doch auch hier gibt es nur eine Motivation: Stoisches, gnadenloses Hacken von Oben nach unten, wobei nicht nur das untere Ende der Nahrungskette schließlich der Desintegration anheimfällt. Konsequent allemal, auf eine erbarmungslose Weise. Es scheint, als wolle der Regisseur durch all das nicht nur seinen Kritikern und Fans, sondern dem gesamten Mainstream-Kino mit seinen konventionellen Erwartungen den Stinkefinger zeigen - einfach weil er es kann, sowohl künstlerisch als auch kommerziell scheint ihn die kritische Rezeption nicht zu jucken. Auf eine bizarre Art und Weise lässt sich darin nicht nur Rückgrat, sondern durchaus auch Humor erkennen, wie übrigens auch in etlichen Filmszenen, in denen romantisierte oder kritisierte Gangsterbilder aufs Allerschwärzeste zum Nichts dekonstruiert werden. Die explizit und in seiner "Kreativität" überbordende und dabei gleichzeitig völlig einer Bedeutung (und sei es nur "simple Action-Unterhaltung") entleerte Darstellung der Gewalt, macht es einem in seiner Schonungslosigkeit schwer, immer hinzusehen. Angeblich fing Kitano beim Verfassen des Drehbuchs mit den Todesszenen an und konstruierte den Rest darum herum. Kann man wohl auch unkonventionelle Herangehensweise nennen! Obwohl der Film nicht nur was das betrifft als unkonventionell bezeichnet werden kann, war er kommerziell recht erfolgreich - die Produktion einer Fortsetzung ist in Japan noch für dieses Jahr terminiert. Vielleicht auch wieder der eigenwillige Humor des Meisters: Eigentlich passt eine Fortsetzung nicht zum Ende und noch viel weniger zum nihilistischen Gesamteindruck, den der Film hinterlässt. | |
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USER-WERTUNGEN |
7,5/10 bei 4 Stimme(n)
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